Archiv der Kategorie 'Pool'

U-Bahn >>> Bücher – Augé u.a.

einige u.U. interessante Bücher zum Themenkomplex U-Bahn:

>>> ‚In The Metro‘ – von Marc Augé
Marc Augé’s book analyses the Paris Metro from the point of view of an anthropologist fascinated by the daily rituals and other repetitive acts that metro users perform, and by the ways in which the metro functions as a distinctive social space, with all the codes, rules and habits that characterise such spaces. There’s no history of the metro as such here — instead, personal memory, meditation and intellectual speculation are combined in a text that mimics in its formal meandering and conjunctive style the lines and crossings of the metro system.
(…) His focus is on the mundane but socially significant uses of the time and space afforded by metro riding, and how these uses accommodate themselves to the specific symbolic matrices that accrue along particular lines, and around particular stations. (…) Central to Augé’s thesis is the recognition that metro users organise their experiences in particular ways that are context-specific. „Subway riders basically handle nothing more than time and space, and are skilled in using the one to measure the other,“ he observes.
von: http://www.popmatters.com/books/reviews/i/in-the-metro.shtml

>>> ‚Untergrund‘ von einem/-r Autor/-in, die nur Felix kennt — Beschreibung der U-Bahn unter soziologischen Gesichtspunkten

>>> ‚Dichte Zugfolge – Der Kosmos unter Tage‘ – von Lucas Cejpek
Der Verlag spricht im Klappentext von „einer kleinen literarischen Soziologie“, und das trifft den Buchinhalt wahrscheinlich gut. Das liest sich wie eine Mischung aus einer Fachzeitschrift der Verkehrsbetriebe und einem soziologisch-philosophischem Essay. „Die U-Bahn-Situation macht einen unwillkürlich zum Gelegenheitsethnologen, sagt Marc Augé.“ Das ist wahr. (…) Auf 105 Seiten sammelt der 1956 geborene Autor in notizartigen Abschnitten wechselnd subjektiv-sinnliche Eindrücke (Gerüche von Apfelstrudel bis Urin in Pissoirs), technische Fakten, Wissen um besondere Geschehnisse im U-Bahn-Kosmos, wissenschaftliche Erkenntnisse darüber und Querverweise auf das Vorkommen der U-Bahnen in Film, Literatur und Kunst. Beispiele:
Ausgemusterte Wagen der New Yorker Subway werden ins Meer geworfen, wo sie den Fischen als Versteck dienen. (S. 10)
Fast 50 Prozent des U-Bahn-Staubs besteht aus Eisen, das durch die Reibung der Bremsen abgeschliffen wird. (S. 56)
… dass in der Pariser Métro zwei Hochzeitskleider, eine Urne und ein Holzfuß gefunden worden sind. (S. 73)

>>> „Tunnelmenschen“ (das ist jetzt aber vom guten wikipedia) – Der Begriff Tunnelmenschen (im Englischen: „Mole People“, wörtlich übersetzt: „Maulwurfmenschen“) bezeichnet eine unbekannte Anzahl von Obdachlosen, die in den verlassenen U-Bahntunneln von New York leben. Es ist schwer festzustellen, wie viele Menschen dort leben, aber eine Untersuchung hat 1989 die Zahl auf 5.000 geschätzt. Während es allgemein bekannt ist, dass einige obdachlose Menschen zugängliche, verlassene, unterirdische Strukturen nutzen, gibt es moderne Legenden mit weitergehenden Behauptungen. Diese beinhalten, dass die Tunnelmenschen sich zu kleinen Stämmen von mehreren hundert Menschen zusammengeschlossen haben. Es wird weiter behauptet, dass sie ihre eigene Kultur entwickelt haben. Dieses Thema ist interessant für Soziologen, aber gleichzeitig aufgrund der wenigen Fakten sehr kontrovers.

Content and Program:

BSP.1
Project in Japan:
Content example: About learning japanese.
Unter anderem:
„Cenrorship
Japanese porography 99% about
female resistance
overhelmed
by repetitive insistence of male.

First commandment od Japanese cencorship:
public hair and genitals (…)

First stylization ist reduction
of color scheme:
(…);
for some reason, the frisson of racial mixing leaves
Japanese cold (…).

Four techniques regulate living with(out) sex.
(…)

1. Excision
(…)

2. Cover
(…)

3. Burnout
(…)

4. Digitization
(…)“

Neben weiteren Abhandlungen über japanische Eigenarten eben auch eine solch strange Abhandlung über die Pornographie in Japan. Diese Abhandlung gehört mit zum Content, um ein Projekt zu entwerfen, welches sich simpel um zwei Wohnhäuser mit 24 Wohnungen dreht.
Unter anderem hieraus entwirft Koolhaas sein Programm der Kontraste: „Each house offers a variety of spatial conditions and tectonic contrasts: enclosed vs. exploding, intimate vs. open, public vs. private, high vs. low, dark vs. light, concrete vs. abstract.“

BSP.2
Project in Netherlands. Renovation of a panopican prison.
Zunächst Abhandlung über die geschichtliche Entwicklung des Panopticons, speziell im gesellschaftlichen Kontext. Ziel, Entwicklung, Verfehlung.

„The most complex aspect of the project was the extent to which programmatic, metaphoric, and formal intentions coincided with political issues. Whithin strict programmatic demands, the metaphor for a new beginning, the idea of culture as a system of continuously revised paradigms, and the crossing out of the center bond the utilitarian to the conceptual.“

BSP.3
Projekt über Atlanta:
Zunächst eine Content Sammlung, die allemöglichen Dinge aufzählt was Atlanta zu entwas besonderem macht. Hierzu gehören herausragende wirtschaftliche Aktuere, kulturelle Einrichtungen, große Verkehrstechnische Einrichtungen, Entwicklungen, Athmosphären, ein großer Pool an interessanten Eigenschaften der Stadt:
„-Atlanta has CNN and Coca-Cola.
-Atlanta has a black major, and it will have the Olympics.
-Atlanta has culture, or at least it has a Richard Meier museam (like Ulm, Barcelona, Frankfurt, The Hagur etc.)
-Atlanta has an airport (…).
-Atlanta does not have planning, exactly, but another process called zoning. (…)“
Danach versieht Koolhass dieser Abhandlung eine persönliche Note:
„When I first went there in 1973, the notion of downtown in America was in crisis. (…) But Atlanta was an exception. (…) And you can´t talk about Atlantas rebirth without talking aubout John Portman.“
Nun geht er intensiv auf Portman ein und bemerkt, dass dieser Mann der Vorreiter des wiederaufblühens der Innenstädte wäre. Er machte das Atrium salonfähig und somit veränderte er alle Städte der Welt, so Koolhaas.

BSP 4
Poject of density:
Zunächst auch hier zunächst eine Contentsammlung, in diesem Falle reine Datenmasse, einige städtebauliche Extreme und Disskussionen. Peronendichten pro qm in verschiednen städtebaulichen Kontexten und im Untersuchungsgebiet (Niederlande), die städtebaulichen Exterme von LA und NY, die Kontroversen des „empty heart“ der Niederlande, der städtebaulichen Entwicklungen, der Schnellbahntrassen des TGV und der damit verbundenen Nähe der Niederlande zu ganz Europa.
Erst jetzt werden verschiedene Emlemente der Sammlung herausgenommen und mit ihnen ´gespielt´.

BSP5
Tabula Rasa Revisited:
Auch hier eine Contentsammlung, dieses Mal mit Besonderheiten des bestimmten Wettbewerbsgebietes, historische Diskurse über Stadtentwicklung in Europa und die sich daraus ergebenden Einengungen oder Möglichkeiten. Hieraus wird dann die Fragestellung abgeleitet, die zwischen Content und Programm liegt. Hieraus ergeben sich wiederum durchs ´spielen´ mit den Contents zwei Ansatzpunkte, die versucht werden.

Stadtumbau meint mehr als Abriss Zum Umgang mit Plattebauvierteln

„Großsiedlungen (…), sind -unter längerfristigem Horizont betrachtet- ganz normale Stadt. Er kommt nur darauf an, dass man ihnen diese Normalisierung nicht verwehrt.
Die Normalisierung des industriellen Massenwohnungsbaus und damit seine Aufnahme in die Schichtung gewachsener Stadthistorie ist ein Vorgang, der Funktionskorrekturen und Nutzungsüberlagerungen braucht.“

„Die Idealvorstellungen des Plans haben sich erschöpft, von nun an bestimmen die ´wirklichen´ Verhältnisse, wie es weiter geht. Da werden Räume und Flächen neu besetzt, Wegebeziehungen neu geknüpft, Orte mit neuer Bedeutung belegt.“

„Plattenbauten sind ganz normale Häuser, die nur zu früh, gewissermaßen im Rohzustand, bezogen wurden. Man muss sie einfach fertig bauen, (…).“

Umbauvarianten werden ausgetestet, vor allem im Osten. Teilabriss, Abstockung, andere Bebauungsformen integriert, andere Wohnungsformen.

Leerstandnutzung Dessau-West

„(…) leer stehende Wohngebäude entgegen der allgemeinen Wahrnehmung als unnützer Raum Ressource und Gegenstand vielfältiger Aktivitäten, die allerdings nur bedingt den gängigen Nutzungsvorstellungen entsprechen.“

Austellungsgebäude, illergaler Wohnraum, temporäre künstlerische Bespielung, Nestbau von seltenen Vögeln, Übungsraum der Feuerwehr.

In schrumpfenden Städten eher möglich, als in wachsenden, da die marktwirtschaftliche Logik hier besser umgangen werden kann. Auch in wachsenden Städten aber immer öfter anzutreffen, da diese Interventionen und alternative Funktionen im Rahmen von Gentrifizierungsprozessen von Investoren und Eigentümern als integrierbar und nutzvoll für die Vermarktung angesehen werden. Wirkung der jeweiligen Umdeutung nicht per se positiv, nur individuell abschätzbar. Es fehlt Bewertungsmaßstab. Jedoch interessant in puncto Funktionsbelegung, Funktion ind er Alltagspraxis, Funktionslosigkeit als „leeres Feld“ das „alles“ ermöglicht.

Sportification ua Halle-Neustadt

Interview von Anke Hagemann nit dem Büro complizen. In Schrumpfende Staädte Handlungskonzepte.

„(…) spielerischer Umgang mit dem Erlebnispotenzial von Leerstand, Großwohnsiedlung und ausgelassenen Orten. Wie viel Spaß, Sport und Eigeninitiative kann Stadtplanung zulassen, und wie viel Stadt und Architektur kann in neue Sportarten integriert werden?(…) Nutzungskonzepte entwickeln.“

Der Stadtraum wird positiv interpretiert. Dadurch werden stadtplanerisch starre und in dessen Konsequenz auch überkommene, negative wahrgenommen Funktionen in Frage gestellt und gleichzeitig das Blickfeld für andere Funktionen am selben Ort geöffnet.

Sportarten:
Hochhaus-Frisbee-Race: Vier leer stehende Hochhäuser. Vom Dach aus wird der Frisbee geworfen. Pass- und Laufspiel gegeneinander.

Tag-Master-Biathlon: Die einheitlich strukturierten Innenräume eines DDR-Plattenbau-Typs werden benutzt, um ein ´Pac-Man´ Laufspiel mit integriertem Sprayen als Battle stattfinden zu lassen.

Mountainbike-Downstairs-Competition: Rennen auf Zeit durch das Treppenhaus eines Hochhauses.

Beton-Climbing: Kletterwand auf Hochhaus. http://www.punksports.com/

Papierflieger-Contest: http://www.punksports.com/

Balkon-Triathlon: http://www.punksports.com/

Trail-Parcours: BMX-Parcours auf Plattenbautüren

Funktion in der Stadtplanung

Die Funktionszuweisungen in der Stadtplanung haben speziell in der Nachkriegszeit bzw. der Moderne ihre typischen Wohnformen der Scheiben und Türme umgeben von voll durchgeplanten Anlagen erzeugt. Diese Diskrepanz zwischen der zugewiesenen und tatsächlich gelebten Funktion steht ja nicht erst seit kurzem zur Debatte. Im Interventionsbuch zu Shrinking Cities sind da dann auch einige Beispiele aufgezählt (unter dem Punkt umdeuten), die eben mit dieser vorgegebenen und scheinbar in die Gesellschaft eigegangenen zugewiesenen Funktion spielen.
Ich werde das Bch mal morgen mitbringen.

ein spielerischer Versuch :: Überlagerung von Begriff und Grundriss

hello*zusammen
hier ein Grundriss des Museums GAK in Bremen gefüllt mit einiger unserer Kernbegriffe, angeregt durch die Ausstellung MAT MULLICAN! siehe auch: www.gak-bremen.de/archiv/2009/matt_mullican._city_as_a_map_of_ideas“

MARC AUGÉ ÜBER »NICHT-ORTE« und das »NICHT-ICH«

Artikel aus dem Kunstforum von 1997

Den Begriff „Nicht-Ort“ habe ich zuerst verwendet, um ihn dem „Ort“ gegenüberzustellen. Ort ist ein Raum, den sich die Menschen seit langem angeeignet haben, von dem man buchstäblich etwas ablesen kann über ihre Beziehungen zur Geschichte, zur sie umgebenden Natur, und weit mehr noch über die Beziehungen der Menschen untereinander. Die Anthropologie lehrt uns, daß die Organisation des Raumes in bestimmten Gesellschaften sehr weit fortgeschritten ist. So schreiben dort Wohn-Gesetze vor, mit wem ein Individuum von seiner Geburt bis zu seinem Tod jeweils zusammenleben darf, durch alle sozialen und biologischen Lebensphasen hindurch (Jugend, Heirat, Fortpflanzung, Alter). Der Wechsel von einer Phase zur nächsten bewirkt oft einen Wechsel des Wohnsitzes, sogar die Wahl der letzten Ruhestätte wird selten dem Zufall überlassen.

Aus dieser Sicht beginnt der Nicht-Ort mit der Entwurzelung. Die Bauern, die im 19. Jahrhundert zur Landflucht gezwungen und in städtisches Milieu verpflanzt wurden, die Auswanderer und die Flüchtlinge, sie alle machen die Erfahrung des Nicht-Ortes. Die großen Pionierbewegungen, die Kolonisierung neuer Gebiete können als Unternehmungen mit dem Ziel aufgefaßt werden, den Raum in Orte zu verwandeln. In diesem Zusammenhang wird deutlich, daß es eine objektive und eine subjektive Dimension des Begriffs Nicht-Ort gibt. Der Nicht-Ort existiert (sogar negativ) durch den Blick der Menschen, die sich nicht darin wiedererkennen oder nicht mehr wiedererkennen oder noch nicht wiedererkennen. Eine einsame Insel, ein Regenwald sind oder waren nicht (denn es gibt sie nicht mehr) Nicht-Orte, sondern Räume, möglicherweise zu erobernde Räume, virtuelle Orte. Das determinierende Kriterium ist in diesem Fall das „Wiedererkennen“: Wir alle brauchen Orte, wo wir uns wiedererkennen, das heißt auch, wo andere uns, so wie wir sie, wiedererkennen. Dies legt den Gedanken nahe, daß für die einen Ort ist, was für die anderen ein Nicht-Ort bleibt, möglicherweise für immer. Der Raum eines Flughafens z.B. hat nicht die gleiche Bedeutung für den Fluggast, der seine Reise antritt, wie für den Angestellten, der hier Tag für Tag mit seinen Kollegen arbeitet.

Im wahrsten Sinne des Begriffs ist der Ort ein Raum, wo die Beziehungen selbstverständlich sind, das gegenseitige Verstehen größtmöglich, wo jeder seinen Platz hat und denjenigen des anderen kennt. Es ist also auch ein in der Zeit (der Kirchturm im Dorf und die Turmuhr haben ihre Bedeutung als Bezugspunkt und Symbol) und in der Sprache festgelegter Raum: Man ist dort „zu Hause“, wo die anderen einen verstehen und wo man selber auch die kleinste Andeutung versteht. Alles, was uns von den sozialen Beziehungen entfernt, entfernt uns auch vom Ort.

Alle Verkehrs-, Informations- und Kommunikationsräume können uns demnach heute als „Nicht-Orte“ erscheinen. Im Prinzip schließt man hier keine Bekanntschaften. Der Gebrauch der Sprache ist auf ein Minimum reduziert (das Verstehen der Bildschirmanleitungen reicht aus). Autobahnen, Flughäfen, Supermärkte, Bankautomaten und Computer, überall hier ist soziales Leben im Alleingang zu bewältigen, ein Widerspruch in sich, der aber dem heutigen Paradox entspricht: Man kann heutzutage allein sein und Beziehungen zur ganzen Welt unterhalten.

Dies ist der wichtigste Punkt, denn über die Relativität des Gegensatzpaares Ort/Nicht-Ort hinaus (je nach Zeitpunkt, Gebrauch und Thematik kann ein Ort zu einem Nicht-Ort werden und umgekehrt), müssen wir unser Augenmerk auf mindestens drei bedeutende Geschehen richten.

Das erste ist die Urbanisierung unseres Planeten, die in den Entwicklungsländern noch auffälliger ist als in den hochindustrialisierten Gesellschaften, und ihre Auswirkungen, die natürlich Städteplaner und Architekten interessieren: der ungenau definierte, schwer einschätzbare und häufig intellektuell nicht erfaßte, nicht symbolisierte Charakter der auf diese Weise besetzten neuen Räume. Der Demograph Hervé Le Bras verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff „urbane Fasern“ und vertritt die Ansicht, daß deren Ausbreitung der dritten Epoche der menschlichen Besiedelung entspricht; auf die Ausbreitung der Jäger und Sammler in der Altsteinzeit folgt die Phase des Ackerbaus in den darauf folgenden Jahrtausenden (La planète au village: migrations et peuplement en France, Ed. De l‘Aube, 1993). Nach den durch diese Vorgänge aufgeworfenen ästhetischen und soziologischen Fragestellungen wäre nun, dem Architekten und Philosophen Paul Virilio zufolge, global gesehen eine rein politische Fragestellung hinzuzufügen. Werden die traditionellen Grenzen zwischen den einzelnen Staaten nicht gewissermaßen von Tag zu Tag immer artifizieller, von dem Augenblick an, wo die beispiellose Entwicklung der Telekommunikation Bedingungen von Allgegenwärtigkeit und Unmittelbarkeit erzeugt, die einigen wenigen vernetzten Metropolen wachsenden Einfluß verschafft? (L‘espace critique, Bourgois, 1984) Die Eroberung des Raumes scheint sich in der Tat heute, mit Hilfe der Satelliten, mehr mit der technisch-ökonomischen Verwaltung des Planeten zu befassen als mit der Entdeckung des Unbekannten.

Um das zweite Geschehen zu definieren, das unterschiedliche Aspekte aufweisen kann, möchte ich den Ausdruck „Inszenierung der Welt“ vorschlagen. Darunter kann man im wesentlichen die zunehmende Bedeutung des Bildes verstehen, was unsere Beziehung zur Realität denkbar tiefgreifend verändert. Wir erhalten tagtäglich Bilder des gesamten Planeten, und die Bewohner der von den großen Ballungsräumen entferntesten Winkel wissen heute, daß sie zur gleichen Erde gehören wie diejenigen, die sie gelegentlich besuchen kommen, und sie wissen auch (zuweilen zu ihrem eigenen Schaden), daß sie in die gleiche Geschichte verstrickt sind. Aber dieses Überangebot an Bildern hat perverse Folgen: Zwar sind wir gewohnt, alles zu sehen, doch ist nicht sicher, ob wir noch bewußt hinschauen können. Genauer gesagt, ist die Welt, die uns am Bildschirm dargeboten wird, das Abbild einer Aufzeichnung unbekannter Kameras und wird uns sozusagen auf abstrakte Art vertraut: genaugenommen und insofern, wie wir uns mit dem Bild zufriedengeben (was für die meisten zutrifft), gibt es keinerlei Beziehung im sozialen Sinn des Begriffs mehr zwischen dem Bild und uns.

Andere Vorkommnisse, von scheinbar anekdotischem Charakter, weisen in die gleiche Richtung und tragen zur „Inszenierung der Welt“ bei. Ich zähle sie in loser Folge auf und überlasse es dem Leser, sich Wechselbeziehungen vorzustellen. Die Videotechnik hat sich so rasch entwickelt, daß der Tourismus ohne deren visuelle und sogar audio-visuelle Ausweitung gar nicht mehr denkbar scheint. Die Videokamera ist die Prothese des Durchschnittstouristen, so als könne er die Realität der anderen nur in Bildern ertragen. Die Nachrichten aus aller Welt werden uns von früh bis spät in Fragmenten geliefert und auch in diesem Bereich herrscht eine falsche Vertrautheit: Fernsehansager, Politiker und ihre Marionetten, Stars aus Sport und Show-business oder die Helden der Fernsehserien, deren Darsteller untrennbar mit ihnen verknüpft sind, scheinen auf lange Sicht gleichermaßen real und irreal zu sein. Die Berichterstattung über den Golfkrieg hat uns Bilder vermittelt, die identisch sind mit denen von Kriegs-Videospielen. Die hell angestrahlten Touristenattraktionen (und andere Ziele, so als ob sie durch die Beleuchtung aufgewertet würden), sind besonders kennzeichnend für Frankreich, beschränken sich aber keinesfalls auf dieses Land: Diese Art von Inszenierung wird auch bei Naturdenkmälern wie z.B. den Niagarafällen eingesetzt. Es geschieht alles so, als ob man die Landschaft in Postkarten verwandeln müsse, damit sie die Blicke auf sich ziehen. Viele Touristen verwenden mehr Sorgfalt auf den Kauf von Reproduktionen als auf die Betrachtung der Gemälde, die auf einem zu kurzen Museumsbesuch gerade noch wahrgenommen werden: Bisweilen wird ihnen gestattet, sie zu filmen. Die Freizeitparks, als deren Quintessenz Disneyland gelten kann, sind der absolute Höhepunkt an Inszenierung, da man hier im Grunde das Schauspiel eines Schauspiels betrachten kommt: z.B. flanierende Gestalten aus Walt-Disney-Filmen in falschen amerikanischen Straßen, von echten Touristen gefilmt, die ihnen auf diese Weise, indem sie sie in Filmgestalten zurückverwandeln, ihre wahre Natur wiedergeben. Das gleiche Schicksal muten sie im übrigen ihren Familien zu, die, andersherum als bei Woody Allen in The purple rose of Cairo, in den Bildschirm steigen müssen und sich mit den Helden vereinen.

Das dritte Geschehen, von dem man nur hoffen kann, daß es nicht eintritt, von dem man annimmt, daß eine gewisse Anzahl von psychologischen und soziologischen Faktoren das Eintreten verzögert oder die Auswirkungen mildert, welches aber bereits jetzt wie eine Bedrohung wirkt, wäre die Entstehung eines völlig fiktionalen Ichs, definiert durch seine Position auf den Netzen virtueller Realität, fasziniert vom Abbild des Abbilds. Das Objekt dieser Faszination wäre noch weniger real als die Träume und Visionen, denen alle traditionellen Kulturen einen Sinn geben konnten, weil sie das Produkt eines Ortes und einer Kosmologie waren. Dies wäre der Übergang vom Zeitalter des Nicht-Ortes zum Zeitalter des Nicht-Ichs.

Aus dem Französischen übersetzt von Christiane von Beckerath.

raumsoziologie

Martina Löw zur Konstitution von Raum, kann in den Bezug gesetzt werden zu de Certeau!

„Raum ist eine relationale (An)Ordnung sozialer Güter und Menschen an Orten“ (Löw, 2001, 224)

„Menschen sind in die Konstituation von Raum inzweiertlei Hinsicht einbezogen. zum einen können sie einen Bestandteil der zu Räumen verknüpften Elemente sein, zum zweiten ist die Verknüpfung selbst an menschliche Aktivität gebunden.“(Löw, 2001, 224)

„Orte werden durch Platzierung sozialer Güter oder Menschen kenntlich gemacht (…). Der Ort sit somit Ziel und Resultat der Platzierung und nicht wie Güter/Mensch selbst platziertes Element.“(Löw, 2001, 224)

„Konstituationen von Raum bringen systematisch Orte hervor, so wie Orte die Entstehung von Raum erst möglich machen.“(Löw, 2001, 224)

„Der Begriff realtionale (An)Ordnung bezeichnet mehreres. (…) Dabei wird von einer (An)Ordnung gesprochen, um mit dem Ordnungaspekt auf die strukturelle Dimension, mit dem Anordnen auf die Handlungsdimension der Konstitution von Raum hinzuweisen.“(Löw, 2001, 224)

„In Routinen , also regelmäßigen sozialen Praktiken, werden diese institutionalisierten (An)Ordnungen reproduziert.“ (Löw, 2001, 226)

„Veränderungen entstehen, wenn Routinen nicht nur variiert, sondern alte Gewohnheiten durch neue Routinen ersetzt werden.“ (Löw, 2001, 227)

„Die Konstitution von Räumen vollzieht sich ind er Regel nicht allein, sondern geschieht in Aushandlungsprozessen mit anderen Handelnden. Das Aushandeln von Machtverhältnissen ist ein immanentes Moment dieses Prozesses.“ (Löw, 2001, 228)

„Der Raum als Ganzes hat demzufolge keine Materialität im Sinne eines phsischen Substrats, sondern nur die einzelnen sozialen Güter und Lebewesen weisen Materialität auf.“(Löw, 2001, 229)

„Die Konstitution von Räumen ist daher nie starr, sindern immer prozesshaft.“ (Löw, 2001, 230)

Löw, Martina (2001): Raumsoziologie.