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Rem spricht über seine Arbeit

REM (Film/Architektur)
„Ich finde, die Berufe Drehbuchautor und Architekt haben viel gemein. Man muss sich für beide eine Handlung überlegen. Man entwickelt Folgen und eine Montage, die das Ganze interessant machen. Und eine Sequenz, die den Verlauf, den Weg oder das Erlebnis eines Gebäudes interessant macht, uns in Spannung hält.“
Eins der schönen Dinge an der Architektur ist, dass, egal wie protzig oder bescheiden sie auch ist, sie immer benutzt wird. Es gibt keine Architektur, die unzugänglich ist. In diesem Sinne besitzt sie eine ganz eigne Stellung. Denn Bücher können unzugänglich sein, die Musik, das Theater, nicht aber die Architektur. Gewissermassen ist sei ein privilegiertes Medium, das sie einen Nutzen hat. Für ich ist sie zum Beispiel eine der letzten Verbindungen zur Moralität . Dies war ein wichtiger Anreiz, den Wechsel vom Drehbuchschreiben zur Architektur zu vollziehen.“

REM ( zum Studium Architektur, Aufnahme der Berliner Mauer als ein ‚Gebäude‘ 1970)
“ (…) Die Berliner Mauer gab es noch nicht so lange, sie stand erst ein Jahrzehnt dort. (…) Jeder war damals davon überzeugt, dass Architektur eine Art der Befreiung darstellen konnte. Ich fuhr also dahin, um die Architektur zu konfrontieren, und mir wurde klar, dass ein zwangsläufiger Bestandteil von ihr die Gewalt ist. Ein zwangsläufiger und grundlegender Zweck ist der Einschluss oder Ausschluss. Die unglaubliche Doppelsinnigkeit bestand darin, dass es kein Gebäude war. Damals nachm sie eine Reihe von Formen an. Teils Gebäude, die zugemauert oder teilweise abgerissen waren, teils Stacheldrahtzaun. Ich forschte in der Vielfalt des Ausdrucks nach dem, was eigentlich ein einziges Phänomen war. Es bleibt immer noch ein sehr bedeutender Bestandteil unserer Überzeugungen. Dass es in der Architektur einen fundamental bösen Bestandteil gibt, der in diesem Kontext mobilisiert wird.
( u.a. ampliziert für die Studie ‚VOLUNTARY PRISONER‘ in London)

(Interview mit Rem Koolhaas: A Kind of Architect; Ein Film von Markus Heidingsfelder und Min Tesch; Arte)

Proramm und sein Wirken:

Theorie der „bigness“ anhand NY
„Delirious New York implies a latent ´Theory of Bigness´based on five theorems.
1.Beyond a certain critical mass, a building becomes a Bid Building. Such a mass can no longer be controlled by a single architecural gesture (…). This impossibly triggers the autonomy of its parts, but that is not the same as fragmentation: the parts remain commited to the whole.
2.The elevator (…). The ´art´ of architecture is useless in Bigness.
3.In Bigness, the distance between core and envelope increases to the point where the facade can no longer reveal what happens inside. (…) Bigness transforms the city from a summation of certainties into an accumulation of mysteries.(…)
4.(…)Their [buildings] impact is independent of their quality.
5.Together all these breaks (…) imply the final, most radical break: Bigness is no longer part of any urban tissue. It exists; ist coexists. Its subtext is fuck context.
(…)
Bigness no longer needs the city: it competes with the city; or better still, it is the city.

Abhandlung in SMLXL über „Nothingness“.
Einleitung:
„Where there is nothing everything is possible.
Where there is architecture, nothing is possible.“

Dann eine Abhandlung über Berlin und Nevada, ihre Leerstellen und deren Potential.

Schluss:

„Pompeii- a city built with the absolute minimum of walls and roofs…
The Manhattan Grid- there a century before there was a ´there´ there…
Central Park- a void that provoked the cliffs that now define it…
Broadacre City…
The Guggenheim…
Hilbersheimer´s ´Mid West´ with its vast plains of zero-degree architecture…
The Berlin Wall…

They all reveal that emptiness in the metropolis is not emty, that each void can be used fpr programs whose insertion into the existing textrure is a procrustean effort leading to mutilation of both activity and texture.“

Das Programm am Beisüiel der Très Grande Bibliothèque:
„Of course, juries, not architects, decide competitions, but first there is our own, invisible judgment. for each project there is a beyond- a domain where no jury follow. Greater than the total loss to all conspiracies, political pressures, blatant corruption- all those ´masterworks´ that they didn´t give first prize- is tragedy of the even more brilliant works that we didn´t dare to imagine.“
„Now slice horizontally through the block: Each cut statistically mimics the program. (…) The plan is the section.“
„The regular here is the storage; the irregular, reading rooms, not designed, simply carved out. Could this formulation liberate us from the sad mode od simulating invention?“
„Portrai of all libraries the way they will never be seen: as shapes, as objects. If all goes according the plan, we will have taken that status away from them. Formless architecture.“

programmatic enterprises:
The exploration allowed us to expolde other unquestioned assumptions, for instance, that the so-called facade is of particular importance in architecture just because it is the interface between the building and the ´nature´ world (…).
As we concentated on the ´settlement´ of the program on these unusual territories, their very unnaturalness opened up more new possibilities: we were forced, for the first time, to explore new potentials for the formation of space.
When we realized that we identified 100% with these programmatic enterprises that intervene drastically in the culture and political landscape of Europe, we wondered whether (…) it could be again possible to become innocent about architecture, to use architecture to articulate the new, to imagine (…) the end of the Potemkin world.“

La Villette, Paris.
Programm: „(…) create a park in the recognicable sense of the world.(…); the program of Parc de la Villette extends like a dense forest of social instruments across the site. (…) We have read the program as a suggestion (…). It is not definitive: it is safe to predict that during the life of the park, the program will undergo constant change and adjustment.“

Quantum Leap.
Abhandlung über die Errichtung eines Stadtteils in Lille, der ein eurpäische, nicht städtische Einbindung als Basis hat.
„Program
Based purely on this hypothesis,Euralille, a public-private-partnership (…) conceived a vast program that will ultimately consist of +/- 800,000 qm of urban activities- shopping, offices, parking, a new TGV station, hotels, housing, a concert hall, congresss accomondation (…).
The Program will enrich life in Lille but is at the same time autonomous: it equips Lille for its role as headquaters of the theoretical community generated by new infrasdtructures.“

Zitate aus: Rem Koolhaas im Gespräch (Archplus)

Zu der Frage, welche Kohärenz er in seiner Arbeit sieht

„(…) Ich würde sagen, dass es in der Tat ein Leitmotiv gibt, dass unserer Arbeit eine gewisse Kohärenz verleiht, nämlich unser Interesse am Prozess der Modernisierung.(…) Aber natürlich gibt es auch eine persönlichere Geschichte, die mit dem Konstruktivismus beginnt, mit dem Interesse an der Konstruktion des alltäglichen Lebens(…).Und ich denke, dass sich an jedem unserer Projekte das Bedürfnis ablesen lässt, nicht nach der Form zu suchen, sondern danach zu fragen, wie sich die Dinge anders definieren lassen.“

PROGRAMMNENNUNGEN IN KOOLHAAS’ DELIRIOUS NEW YORK

10 Das vorliegende Buch ist eine Interpretation dieses Manhattan, die dessen scheinbar zusammenhanglosen – ja unvereinbaren – Episoden eine gewisse Konsistenz und Kohärenz verleiht, eine Interpretation, die Manhattan als das Produkt einer bislang nicht formulierten Theorie, des Manhattanismus, darzustellen sucht, dessen Programm – in einer von Menschen gemachten Welt, d.h. im Innern einer Phantasie zu leben – so extrem war, dass es, um realisiert werden zu können, nie offen ausgesprochen werden konnte.
22 Trotz seiner scheinbaren Neutralität impliziert es [das Raster] ein intellektuelles Programm für die Insel: Indifferent gegenüber der Topographie, gegenüber dem Bestehenden, behauptet es die Überlegenheit geistiger Konstrukte über die Wirklichkeit.
56 In weniger als zehn Jahren haben diese Männer einen Urbanismus auf Grundlage der neuen Technologie des Phantastischen erfunden und durchgesetzt: Eine permanente Verschwörung gegen die Realitäten der Außenwelt. Dieser Urbanismus definiert die Beziehungen zwischen Standort, Programm, Form und Technologie von Grund auf neu. Der Standort ist jetzt zu einem Miniaturstaat geworden, das Programm zu dessen Ideologie und Architektur zur Anordnung der technischen Apparatur, die den Verlust tatsächlicher Körperlichkeit ausgleicht.
81 Da jedes der so entstehenden neuen Grundstücke sein eigenes programmatisches Schicksal finden muss – ohne Einflussnahme des Architekten –, ist der Wolkenkratzer das Instrument eines neuen Urbanismus des Unfassbaren. Trotz seiner physischen Stabilität ist der Wolkenkratzer der metropolitane Destabilisator schlechthin: Er verspricht unausgesetzte, programmatische Instabilität.
86 Um diese programmatische Anreicherung zu ermöglichen, schlüpfen die Instrumente der Effizienz wieder in ihre angestammte Identität als Utensilien der Illusion.
178 Zum ersten Mal arbeitet Hood an einem Mehrzweckgebäude. Ohne Rücksicht auf eine programmatische Hierarchie weist er bestimmten Teilen des Berges die notwendigen Funktionen einfach zu.
Ist das Programm der Funktion also übergeordnet?

WEITERE NENNUNGEN

11 Die retroaktive Formulierung von Manhattans Programm ist ein polemisches Unterfangen.
15 Das einleitende Zitat beschreibt Manhattans Programm ohne Rücksicht auf die Tatsachen, gibt seine Intentionen aber ziemlich genau wieder. Manhattan ist eine Bühne des Fortschritts.
95 [Das Woolworth-Building] ist ein Meisterwerk des Materialismus: Keines der programmatischen Versprechen des neuen Gebäudetyps wird ausgeschöpft.
160 Vom EG bis zum 11. Stockwerk korrespondiert die Aufwärtsbewegung im Downtown Athletic Club mit einer immer größeren Subtilität und Unkonventionalität der „Programme“, die auf den jeweiligen Plattformen angeboten werden.
192 Das Geniale des Rockefeller Center liegt in der Leistungsbeschreibung dieser Hülle – in ihrer „Eroberung durch architektonische und programmatische Details.
209 Das Rockefeller Center ist die ausgereifteste Demonstration der unausgesprochenen Theorie des Manhattanismus, wonach die unterschiedlichsten Programme gleichzeitig auf ein und demselben Grundstück existieren können, lediglich verbunden über einige gemeinsame Einrichtungen wie Aufzüge, Versorgungsschächte, Pfeiler und äußere Hüllen.

PRADA TRANSFORMER

Der Purzelraum DIE ZEIT
Eröffnung 27.04.2009

Koolhaas sagt, an seinem neuen Werk gefalle ihm vor allem, dass es klare Formen – ein Kreis, ein Rechteck, ein Sechseck – mit einer weichen Membran verbinde. Und dass jede Fläche perfekt an ihre Bestimmung als Boden einer Ausstellungshalle oder eines Kinos oder auch als Laufsteg angepasst ist. Ein Gebäude, das nur aus Funktion besteht. »Das ist mein Statement zur Architektur unserer Zeit. Und zu der Arbeit meiner Kollegen«, sagt Koolhaas. Der zeitgenössischen Architektur wirft er vor, vor allem Embleme zu schaffen, Formbauten ohne Verstand und Sinn

http://www.prada-transformer.com/

»Die Freiheit ist größer denn je«

Rem Koolhaas im Gespräch mit Hanno Rauterberg DIE ZEIT (http://www.zeit.de/2008/24/Koolhaas-Interview)

„Ich glaube eher, dass wir gerade den globalen Triumph des Exzentrischen erleben. Lauter extravagante Bauten entstehen, Bauten ohne Inhalt, ohne Funktionalität. Es geht ausschließlich um spektakuläre Formen und natürlich ums Ego der Architekten.

„Weil es da vor allem um Gefühle geht. Wir interessieren uns sehr dafür, wie die Menschen auf unsere Bauten reagieren. Aber wenn ich jetzt in so einem Interview erläutern würde, was man in den Gebäuden fühlen sollte oder könnte, dann wäre das absurd. Dann wäre die Architektur am Ende auch nichts anderes als ein Themenpark mit inszenierten Gefühlen und programmierten Stimmungen.“

„Das weiß ich nicht. Es gefiel mir einfach, die Welt von außen betrachten zu können (Rückkehr aus Indonesien nach Rotterdam), als jemand, dem nicht alles selbstverständlich erscheint. Und in gewisser Weise gehört das bis heute zu unseren Methoden hier im Büro, bei jedem Auftrag möglichst bei null anzufangen und alles zu vergessen, was man vermeintlich weiß. Wir haben das in Seattle so gemacht, als es darum ging, eine neue Vorstellung von dem zu gewinnen, was heute eine Bibliothek sein kann. Oder in Porto, wo wir lange über andere Funktionen und Formen für ein Konzerthaus nachgedacht haben.“

programm-zitate

sauklaue: was rem koolhaas in delirious new york zum programm sagt

zitate_rem koolhaas

hier ist platz für zitate von rem
ich lege mal eins vor. und dann frohes bloggen.

„Ich habe keine Antwort. Ich kann nur sagen, dass ich mich für Inhalte interessiere, für Strukturen, für das, was Architektur eigentlich ausmacht.“
(aus DIE ZEIT, 05.06.2008 Nr. 24)

„forms search for function like hermit crabs looking for a vacant shell“ (Koolhaas 2002:178)
Koolhaas, Rem (2002): Junkspace. The MIT Press. October, Vol. 100, S. 175-190

„In the contemporary world, functional designs have become abstractions in the sense that they are no longer linked to a specific environment or city, but float and gravitate around the place in an opportunistic manner, offering the maximum number of relationships.“ (Koolhaas 1992: 93)
Koolhaas, Rem (1992): Urbanism after Innocence: Four Projects: The Reinvention of Geometry. Assemblage, No. 18, S. 82-113

„Rationalism and functionalism have become soft, but they are still effective in their mystifying activity.“ (Negri 2009: 50)
Negri, Antonio (2009): On Rem Koolhaas. Radical Philosophy 154. März/April 2009

„Chaos simply happens. You cannot aspire to chaos; you can only be an instrument of it.“ (Rem Koolhaas- Post- Nationalist Architect; The NYT, 11.09.94)

„If less is more maybe nothing is everything.“ (Quelle unbekannt)

„Es ist ironisch, denn dieses Zitat wird immer aus dem Zusammenhang gerissen. Ich sagte es in der folgenden Situation: Man muss ein riessiges Gebäude bauen und es irgendwo in der Stadt hinsetzen. Als ich damals diese Theorie formulierte, arbeitetet ich an der Theorie der Grösse, ‚Bigness, or the problem of Large‘ (Manifesto 1994). Es war wieder ein Angriff gegen meine europäischen Kollegen, die immer diese Rhetorik von Beziehungen haben. Steht ein Gebäude neben einem anderen tendiert es dazu, ihm ähnlich zu werden. Erstens ist diese Ähnlichkeit keine Garantie für kontextuelle Sensibilität. Und zweitens gibt es in vielen Situationen einfach gar keinen Kontext. Es war also einfach eine Art ironisches Statement, dass Kontext in vielen Fällen einfach überbewertet wird. Andererseits, wenn man in Europa arbeitet, zum Beispiel in Berlin, ist der Kontext ganz wichtig, und natürlich befasse ich mich zutiefst damit und denke über jeden Aspekt des Kontextes gründlich nach. Kontext ist natürlich auch politisch, es geht nicht nur um die Physik.“
(Interview mit Rem Koolhaas: A Kind of Architect; Ein Film von Markus Heidingsfelder und Min Tesch; Arte)

„Die Menschen sind heute nicht bereit, sich einzugestehen, dass Architektur oft unbewusst ist. Wir denken wir tun etwas, aber eigentlich tun wir etwas ganz anderes. Vor allem in diesem Gebäude (Casa da Musica, Porto) gab es viele Überraschungen, auch für uns selbst. Das wurde uns in den verschiedenen Bauphasen bewusst. Ich glaube, das ist meine ganz persönliche Meinung, dieses Gebäude hat u.a. zum Thema, dass der leere Raum wichtiger ist, als der greifbare Raum. (…) Das ist etwas worüber ich schon lange nachdenke. Ich denke letzten Endes hat das mit dem moralischen Widerstand gegen die Architektur zu tun und gegen die Tatsache, Dinge trotz Aufwand und Problemen zu schaffen. Ich finde es einfacher, etwas wegzunehmen, als etwas hinzuzufügen. Das ist der Aspekt, der mir persönlich wichtig ist.“ ( Interview mit Rem Koolhaas: A Kind of Architect; Ein Film von Markus Heidingsfelder und Min Tesch; Arte)


„Rem und ich haben vor langer Zeit Folgendes geprägt: Stupid, but smart.“


„Rem ist ein Mensch, der programmatische Aspekte zutiefst durchdenkt. Seine programmatische Analyse ist absolut brilliant. (…) Und wie ermit den Programmen umgeht, stellt sicher, das jedes Gebäude einen programmatischen ‚Drive‘ hat. Zusammen machen wir dann Formen aus diesen Drives, erfinden dann noch mal Interventionen, die das Programm ihrerseits verbessern.“

(Interview mit Cecil Balmond, Bauingenieur OMA: A Kind of Architect; Ein Film von Markus Heidingsfelder und Min Tesch, Arte)